ueberuns.jpg

 

Von der Umweltbildung zur Bildung für nachhaltigen Entwicklung (BNE)
Vor rund fünfzehn  Jahren  wurde das Konzept einer Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung (BNE) mit dem Ziel der Förderung von Gestaltungskompetenz entwickelt und bis heute in die außerschulische Bildungsarbeit der Umweltbildungszentren eingebracht. Über die Programme BLK 21 und Transfer 21 sind unter dem Einbezug der Umweltbildungszentren Methoden und Settings entwickelt und etabliert worden, die zukunftsgerichtet multiperspektivische Sichtweisen zusammenbringen sollen. Hier entstanden unter anderem selbstorganisierte Lernformen (SOL) oder die Methode der Nachhaltigen Schülerfirmen (NaSch). Bereits im Jahr 2007 sprach die Kultusministerkonferenz aller Länder bundesweit die Empfehlung aus, BNE in den allgemeinbildenden Schulen umzusetzen.

Zusammenarbeit mit Partnern
Der Einbezug von vielfältigen Sichtweisen erfordert von den Bildungszentren die Zusammenarbeit mit vielen verschiedenen Partnern. Somit können über die Netzwerke  der Bildungszentren unterschiedlichste Partner ihre spezifischen Sichtweisen in die Bildungsprogramme einbringen. Damit hat sich auch die Rolle der regionalen Umweltbildungszentren von Bildungsanbietern zu Bildungsmoderatoren verändert.
Die in den Zentren eingesetzten Lehrkräfte entwickeln und moderieren heute Bildungsprojekte mit dem Anspruch einer Bildung für nachhaltigen Entwicklung (BNE) unter dem Einbezug vielfältiger Partner in geöffneten Lernarrangements. Die Themenvielfalt ist dabei breit gefächert und übertrifft die ursprünglich meistens biologisch orientierten Angebote. Die Umweltbildungszentren werden heute von Gruppen aus allen Schulstufen und Schulformen sowie aus der frühkindlichen Bildung und von Familien besucht. Über Pilotprojekte werden mit Hilfe der Förderung von Stiftungen neue Themen bearbeitet und neue Methoden entwickelt. Über die Projektmittel beschäftigen viele  Umweltbildungszentren unterschiedliche Mitarbeiter. Die hier skizzierte Entwicklung ist landesweit sehr unterschiedlich verlaufen. Sie hängt auch von den unterschiedlichen Trägern der Bildungseinrichtungen und deren Motivationen ab. Die Träger sind sehr verschieden aufgestellt und reichen von kleinen Trägervereinen, einer kommunalen Trägerschaft bis hin zu großen Trägern wie Naturschutzverbänden oder bei den Waldpädagogikzentren die Landesforsten. Diese Vielfalt der existierenden Umweltbildungszentren findet sich im Netzwerk der heute 52 außerschulischen Lernstandorte (ALOs), so wie sie heute vom Niedersächsischen Kultusministerium genannt werden, wieder (Stand: 2017).   
Für die Lehrkräfte in den Umweltbildungszentren ergeben sich aufgrund der Entwicklungen andere Aufgaben und Ansprüche: Sie sind Projektmanager, Qualitätscontroller, Fundraiser, PR-Manager, Netzwerkmoderatoren, Personalverantwortliche, Buchhalter … und das als Lehrkräfte im Niedersächsischen Schuldienst mit pädagogischem Know-how.

Das Umweltbildungszentrum SCHUBZ
... hat genau diese Entwicklung zum Bildungskompetenzzentrum in den letzten fünfzehn Jahren genommen. Die heute im SCHUBZ vom Land Niedersachsen mit Anrechnungsstunden teilweise vom Unterricht freigestellten zwei Lehrkräfte sichern mit ihrer Arbeit die pädagogische Basis und die Beständigkeit der Angebote. Die Hansestadt Lüneburg, unterstützt durch die Kostenbeteiligung des Landkreises, trägt mit einem Sachkostenbudget die Grundstruktur der Einrichtung. Der Förderverein unterstützt über Drittmittelprojekte, Spenden und Auftragsprojekte die Arbeit des Zentrums und organisiert derzeit für alle 35 Mitarbeiter ihre Arbeitsstellen oder freiberuflichen Tätigkeiten.

Nur dank dieses Zusammenspiels von gewährten Lehrerstunden des Landes, der Trägerschaft der Kommune und der Unterstützung des Fördervereines konnte die Entwicklung des SCHUBZ zu einem überregional operierenden Bildungskompetenzzentrum gelingen.  

Umweltbildungszentren können eine Bildungslandschaft moderieren, bzw. eine wichtige Rolle darin einnehmen. Sie sollten dafür von der Politik nicht nur geduldet sein, sondern durch die Zusagen von Raum, Personal und Budget einen ernst gemeinten Auftrag erhalten, aktiv zu werden. Raum meint dabei das Handlungsfeld. Wenn z.B. Partizipation von Kindern und Jugendlichen gefördert werden soll, dann bedarf es auch eines sehr konkreten Partizipationsfeldes, wo die Ergebnisse sichtbar werden können.

Dem Ansatz einer Bildungslandschaft liegt ein erweitertes Bildungsverständnis zugrunde, das in der Formulierung »Bildung ist mehr als Schule« zum Ausdruck kommt. Bildung wird als umfassender Prozess der Entwicklung und Entfaltung menschlicher Fähigkeiten verstanden, die nicht allein in der Institution Schule stattfindet. Kinder und Jugendliche bilden sich an verschiedenen Orten und bei unterschiedlichsten Gelegenheiten etwa in der Familie, in der Peergroup, in Vereinen, im Jugendclub, im Konfirmandenunterricht, im Umweltbildungszentrum, … .
Ziel von Bildungslandschaften ist es, diese Akteure und Orte zu vernetzen, um Bildungsprozesse im Interesse der Kinder und Jugendlichen aufeinander abzustimmen (Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Hrsg. 2012, S. 13).
Lokale Bildungslandschaften haben das Potential zu Innovationsmotoren. Für Bildungslandschaften ist professionelles Netzwerkmanagement erforderlich. Kommunen müssen dieses befördern und sogenannte »Netzwerkknoten« (nach Bleckmann/Durdel, S. 290)  einrichten. Es ist sehr wünschenswert, dass die Qualitäten des SCHUBZ Umweltbildungszentrums als Netzwerkknoten in der Bildungslandschaft erkannt und die Einrichtung zukünftig dementsprechend angemessen gefördert wird.  

Besonderheiten und Voraussetzungen für die Entwicklung des SCHUBZ:

1
Bildung für nachhaltige Entwicklung versteht sich als Suchbewegung, bei der Schüler nach Möglichkeiten für ihre sinnvolle Zukunftsgestaltung suchen und Handlungsfolgen mit der Brille der Nachhaltigkeit bewerten. Diese Suche sollte möglichst fächerübergreifend und zeitlich frei erfolgen. Daher verlangt BNE eine inhaltliche Offenheit bei der Entwicklung von Bildungsangeboten. Stadt und Landkreis Lüneburg als Träger und der Förderverein haben das Umweltbildungszentrum zu keiner Zeit mit inhaltlichen Vorgaben beschränkt. Dieses war und ist sicherlich ein wichtiges Element, vielfältige Projektideen entwickeln zu können. Daher ist die Freiheit der inhaltlichen Arbeit ohne finanzielle Interessen eines Unternehmens wie beispielsweise eines Freizeitparks, ohne PR-Auftrag oder ohne die inhaltlichen Vorgaben eines Interessenverbands wichtige Voraussetzung, damit ein Umweltbildungszentrum als Bildungsmoderator umfassend wirken kann.

2
Ein Umweltbildungszentrum braucht viele verlässliche Netzwerkpartner in der Bildungslandschaft. An dieser Stelle passt sehr gut das Zitat: »Um groß zu werden, braucht man als Kind ein ganzes Dorf« (in: Bleckmann/Durdel, (Hrsg.) Lokale Bildungslandschaften: Oggi Enderlein S. 159). Das SCHUBZ hat als regionales Umweltbildungszentrum in den letzten 25 Jahren die vielfältigen Möglichkeiten der Metropolregion Hamburg genutzt, um groß zu werden. Es ist in vielfältige Netzwerke eingebunden und hat daraus sowohl eigene als auch Auftragsprojekte entwickelt. Dieses Netzwerken ist die wichtige Basis für die Arbeit in Bildungslandschaften. Mit einem konkreten Thema im Fokus funktioniert auch eine Vernetzung außerordentlich gut. So können andere zum Mitwirken in einer Bildungslandschaft für Nachhaltigkeit gewonnen werden. Das Thema muss klar sein, damit sich andere damit identifizieren und in Veränderungen einbezogen werden können. Das SCHUBZ in der Bildungslandschaft hat das Vertrauen vieler Netzwerkpartner gewonnen. Für die Zusammenarbeit am Thema Nachhaltige Entwicklung braucht es  feste Strukturen der Kommunikation und Kooperation mit entsprechenden Steuerungsinstrumenten. Eine »Vernetzung macht dabei nur Sinn, wenn es konkrete inhaltliche Ziele z.B. in einem Bildungsangebot gibt, sonst gibt es eine Vernetzung um der Vernetzung willen« (vgl. Kahl, DKJS in DKJS, 2012, S. 50).

Folgende Voraussetzungen einer erfolgreichen Netzwerkarbeit haben sich dabei im SCHUBZ bewährt:

  • Die Aufgaben und Rollen in den Netzwerken müssen klar definiert und in Vereinbarungen festgelegt werden.
  • Die Informationsflüsse in den Netzwerken sind klar und werden vom Umweltbildungszentrum gesteuert.
  • Durch den Einbezug von Akteuren mit Leitungsfunktionen wird ein hoher Grad der Verbindlichkeit erreicht (= Bildung ist Chefsache!).
  • Die dauerhafte Zusammenarbeit basiert auf Aushandlungsprozessen und nicht auf Über- oder Unterordnung.  Die Akteure erkennen die Interessen der anderen an und berücksichtigen sie. Das Prinzip der gegenseitigen Wertschätzung mit Unterschieden wird dabei verfolgt.
  • Bei Netzwerkprojekten ist es wichtig, dass konkrete und individuell erreichbare Ziele vereinbart werden. Diese sollen über KickOffs, Pressetermine oder Tagungen als Meilensteine sichtbar werden und gemeinsam gewürdigt werden.

3
In der Metropolregion Hamburg liegen viele Schulen in erreichbarer Nähe zum SCHUBZ, so dass die pädagogischen Angebote sehr gut per ÖPNV-Anbindung oder per »Elterntaxi« verfügbar sind. Die Lüneburger Schulen erreichen das SCHUBZ oftmals fußläufig oder mit Linienbussen. Die Erreichbarkeit der Einrichtung von den Bildungskunden ist ein wesentlicher Standortvorteil des SCHUBZ. Ergänzend sollte bei jedem pädagogischen Angebot geprüft werden, ob es nicht auch an der Schule selbst stattfinden kann, um den Aufwand des Transfers möglichst gering zu halten. Im SCHUBZ sind deswegen in den letzten Jahren vermehrt mobile Projekte wie das Energielabor, Tierspurenprojekte und Planspiele entstanden, die in den Schulen selbst stattfinden können. Dieses hat zudem den Vorteil, dass die Schüler mit dem Angebot neue Impulse in ihrer Schulumgebung und für ihren Alltag erhalten, und dieses nicht losgelöst zum sonstigen Schulalltag erfolgt.

4
Während andere Zentren über fehlende Bewerbungen von Mitarbeitern klagen, hat das SCHUBZ hieran keinen Mangel. Wir haben das Glück, dass in der wachsenden Universitätsstadt Lüneburg viele potentielle neue Kollegen wohnen. Zum anderen bieten wir seit Jahren vielen Studierenden über Hospitationen, Praxisseminare und Praktika  erste Kontakte zum SCHUBZ und nehmen regelmäßig Praktikanten und FÖJler im SCHUBZ auf. Dieses bringt der Einrichtung eine hohe Bekanntheit (und Beliebtheit).

5
Dank der Lage bzw. Nähe zum Campus der Leuphana Universität gibt es viele gute und langjährige Kooperationen zu unterschiedlichen Fachbereichen, die besonders wertvoll sind, wenn neue Projekte entwickelt werden sollen. In der Vergangenheit hat das SCHUBZ neue Methoden im Kontext einer BNE mit digitalen Medien, zum Energie- und Klimaschutz, zur Biodiversität und zur Erlebnispädagogik immer als Praxisfelder für Forschung und Lehre geöffnet und gleichzeitig viele frische Ideen von den Studierenden zurückbekommen. Die Zusammenarbeit mit der Universität stellt, wenn sich beide Partner auf Augenhöhe begegnen und die Projekte kooperativ entwickeln, eine Win-Win-Situation dar.

6
Die Entwicklung des SCHUBZ ist auch durch Wachstum geprägt. Sowohl der Bau des Freilandlabors an der Jugendherberge Lüneburg, der Umzug im Jahr 2014 in die jetzigen 650 qm großen Räumlichkeiten im ehemaligen Anna Vogeley Heim am Rande des Universitätscampus als auch die Übernahme des Wildgeheges Ochtmissen Am Kreideberg im Herbst 2016 verdeutlichen diese stetige Entwicklung.

Dr. Frank Corleis

ÖFFNUNGSZEITEN

Projektberatung:
Mo-Do: 9.00 bis 12.00 Uhr


Materialausleihe:
Mo-Do: 13:00 bis 16:00 Uhr


Tierpflegerinsprechstunde:
Mi: 13.00 bis 16.00 Uhr


Tel: 04131-30979-70
E-Mail: info@schubz.org


Keine festen Büro- und Beratungszeiten während der Niedersächsischen Schulferien.